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Body N. versus Body P.




Verfechterinnen der Body-Positivity-Bewegung sehen "draussen" gute Gründe uns dazu zu animieren, unsere Körper ohne Wenn und Aber, ganz und gar zu lieben.


Jeden Teil, jede Einschränkung, Entwicklung und Erkrankung,

jedes Gewicht, all das, was uns von der „Mehrheitsgesellschaft“ oder von den Diktaten der Schönheitsindustrie, von "Schönheitsidealen" abgrenzt, einschränkt und ausgrenzt.


Wem dies gelingt, unentwegt liebevoll und wohlwollend mit sich umzugehen:

Chapeau!


Zu beobachten ist, dass bei vielen Menschen dieser enorme Anspruch, sich selbst bedingungslos zu lieben Druck erzeugt, Hoffnungslosigkeit, und sogar Selbsthass.

Teile oder Eigenschaften am eigenen Körper lieben, die man eher abgelehnt oder gar nicht wahrgenommen hat: vom Doppelkinn über den Bauch zur Kniekehle bis zum

rechten oder linken Schulterblatt?


Vielleicht schäme ich mich ja für einen Körperteil, um mich dann dafür zu schämen, dass ich mich schäme und unzufrieden bin? Was wird daraus?

Eine negative Body-Positivity-Spirale?


Der Anspruch an Selbstliebe und Body Positivity kann "eine Form von sogenannter toxischer Positivität sein, die die Realität verleugnet, alles zwanghaft als positiv (um)deutet, keinen Platz lässt für Authentizität und vermeintlich „unliebsame“ Emotionen wie Trauer, Angst, Unzufriedenheit, Scham, Wut und Veränderungswillen"/1.


Ich finde es wichtig, uns in die Lage zu versetzen unseren Körper bewusst wahrzunehmen,

zu wissen, er ist viel mehr als eine Hülle und "Projektions-Oberfläche".


Kämen wir überhaupt auf die Idee von uns zu fordern, jedes unserer Körperteile zu lieben in einer NICHT übermäßig auf Äusseres geprägten, nach Optimierung rufenden Gesellschaft?

Auf diese Idee kämen wir nicht!


Schauen wir nicht besser darauf,

was unser Körper vollbringen kann?


Rennen, schwimmen, beugen, strecken.

Schmecken, hören, riechen, tasten.

Atmen, verdauen, Wunden heilen, Infekte abwehren, denken, fühlen ...


Wir brauchen weder Body Shaming

noch diktierte Selbstliebe!

Brauchen wir "Body Gleichgültigkeit"?

Nein, unser Körper ist uns auch nicht egal. Wir hassen ihn nicht, ebenso wenig vernachlässigen wir ihn, wir lieben ihn aber auch nicht zwanghaft.


Wir sind angekommen in der

"Body Neutrality":


Damit geben wir uns die Chance, uns unseres Körpers bewusst zu werden,

Körperbewusstsein zu entwickeln.

Wahrnehmen, sich annehmen mit den als gut und weniger gut empfundenen Eigenschaften.

Ich will meinen Körper auch verändern können.

Ich muss nicht alles perfekt finden,

nicht alles an mir muss großartig sein. Mein Körper kann so ein Freund werden.

Ich kann ihn auch lieben, MUSS ich aber NICHT!


"Body Neutrality" empfinde ich auch als eine natürliche Reaktion auf Selbstoptimierung jeglicher Ausprägung!





1 Goodman,W: Toxic Positivity. Keeping it Real in a World Obsessed with Being Happy. Tarcher Perigee: Penguin Random House 2022.

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