Raus aus dem Optimierungswahn Rein ins Spielen
- Judith Degeest

- 14. Feb.
- 6 Min. Lesezeit

Inhalt:
Es gibt Phasen im Leben, da fühlt sich vieles an wie eine endlose To do Liste.
Arbeit, Familie, Beziehungen, Haushalt, Gesundheit, persönliche Entwicklung.
Und dann kommen noch all die Dinge dazu, die Du „für Dich“ tun willst oder tun solltest:
mehr Achtsamkeit, mehr Selfcare, mehr Sport, mehr Struktur, mehr innere Arbeit.
Alles für sich genommen sinnvoll.
Und trotzdem entsteht oft dieses subtile Gefühl im Hintergrund:
„So wie ich gerade bin, ist es noch nicht ganz genug.“
Genau dieses Gefühl erschöpft. Nicht laut und dramatisch, sondern leise und stetig.
Es ist, als würdest Du innerlich nie wirklich ankommen, sondern immer noch ein Stück an Dir herumfeilen.
Wir glauben:
Viele Menschen brauchen im Moment nicht noch ein Programm, das sie optimiert.
Sie brauchen Räume, in denen sie wieder spielen dürfen.
Wenn Selbstoptimierung zum Dauerzustand wird, entsteht häufig chronischer Stress. Und chronischer Stress bedeutet nicht immer, dass Du sichtbar überfordert bist. Oft ist es ein leiser innerer Druck (oder zu viel starker Kaffee 😉 ), der Dein Nervensystem dauerhaft aktiviert hält. Dein Körper bleibt in einer subtilen Alarmbereitschaft. Nicht dramatisch, aber konstant. Und genau dieser Zustand verhindert langfristig Regeneration, Kreativität und echte innere Stabilität.
Warum ständiges „an mir arbeiten“ müde macht
Dein Nervensystem ist nicht dafür gemacht, dauerhaft im „Verbesserungsmodus“ zu laufen.
Wenn innerlich immer wieder Sätze auftauchen wie
• „Ich müsste eigentlich mehr…“
• „Ich sollte endlich mal…“
• „Andere bekommen das besser hin…“
dann bleibt ein Teil von Dir ständig in Hab Acht Stellung.
Du prüfst Dich selbst:
• Bin ich schon „weit genug“?
• Reagiere ich „richtig“?
• Nutze ich meine Zeit „gut“?
Auch wenn Du äußerlich funktionierst, läuft im Hintergrund ein Programm, das Energie zieht.
Selbst die Dinge, die Dir gut tun sollen, können sich dann irgendwann wie ein weiterer Punkt auf der Liste anfühlen.
Das Ergebnis kennst Du vielleicht:
• Du bist erschöpft, obwohl Du viel „richtig“ machst.
• Du hast Wissen ohne Ende aber es fühlt sich nicht wirklich leicht an.
• Und die spielerische, alberne, lebendige Seite, die Du früher hattest, ist sehr leise geworden.
Aus neurobiologischer Sicht bedeutet das: Dein Sympathikus ist häufiger aktiv als Dein System es eigentlich bräuchte. Der Körper ist vorbereitet auf Leistung, Bewertung und Anpassung. Doch für echte Selbstregulation braucht es Phasen, in denen Dein parasympathisches Nervensystem übernehmen darf. Genau dort entstehen Entspannung, Verdauung, Kreativität und innere Sicherheit. Ohne diese Balance bleibt selbst Persönlichkeitsentwicklung anstrengend.
Was passiert, wenn Du wieder spielst statt optimierst?
Spielen ist etwas völlig anderes, als an Dir zu arbeiten.
Beim Spielen
• gibt es kein Ziel, das Du erreichen musst
• gibt es kein „zu spät“ und kein „nicht gut genug“
• darf etwas einfach nur Spaß machen, ohne dass dabei etwas herauskommen muss
Für Deinen Körper und Dein Nervensystem ist das eine sehr klare Botschaft:
„Hier ist gerade nichts zu verteidigen. Ich darf einfach da sein.“
Was dann passieren kann:
• Deine Muskulatur lässt nach und nach los
• der Atem wird tiefer, der Brustkorb weiter
• der Kopf hört auf, alles zu kommentieren
• und plötzlich tauchen wieder Dinge auf wie Neugier, Humor und Freude
Interessanterweise kommen genau dann oft die Impulse, nach denen Du im Optimierungsmodus suchst:
Was Dir wirklich wichtig ist.
Was weg kann.
Was sich verändern darf.
Nur eben nicht unter Druck, sondern aus einem Zustand, in dem Du Dich wieder ein Stück näher bei Dir fühlst.
Spielen ist aus Sicht der Stressforschung kein Luxus, sondern ein Regulationsmechanismus. Es signalisiert Deinem System Sicherheit. Und Sicherheit ist die Grundlage für Resilienz. Erst wenn Dein Körper nicht mehr im Dauervergleich oder Leistungsmodus steckt, können neue Perspektiven entstehen. Deshalb ist Spielen kein Rückschritt. Es ist ein biologisch sinnvoller Weg, um Stress zu reduzieren und wieder in Verbindung mit Dir selbst zu kommen.
Warum Körper, Natur und innere Bilder so gut zusammenpassen
Damit dieser Spielraum entsteht, braucht es gar keinen großen Zauber.
Es braucht nur einen Rahmen, in dem drei Dinge zusammenkommen:
1. Bewegung, die nicht bewertet wird
Sanfte, fließende Bewegungen wie im Qi Gong helfen Dir, aus dem Kopf zurück in den Körper zu kommen.
Du spürst Deine Füße, Deinen Atem, die Schwerkraft. Energie darf wieder ins Fließen kommen, ohne dass Du dafür Leistung bringen musst.
2. Natur, die nichts von Dir will
Wald, frische Luft, Berge, ein weiter Himmel.
Draußen zu sein relativiert vieles, was im Kopf riesig wirkt.
Die Geräusche sind anders, die Reize sind andere, die Zeit wird weicher.
Du musst nichts erklären, Du musst niemandem gefallen. Du kannst einfach gehen, sitzen und schauen.
3. Innere Bilder, die Dich nicht bewerten
Geführte Fantasiereisen können Dein Nervensystem runterfahren und gleichzeitig Deine Vorstellungskraft wieder wach machen.
Du betrittst innerlich Orte, an denen Rollen keine Rolle spielen:
die mutige Version von Dir, die verspielte, die kreative, die freche, die sehr weiche.
Plötzlich begegnet Dir die jüngere Seite von Dir, die damals selbstverständlich zaubern, kämpfen, fliegen oder sich verstecken konnte – wenigstens in der eigenen Vorstellung.
Diese Anteile wieder zu spüren, kann sehr leise beginnen und trotzdem unglaublich viel verändern.
Kleine Spielräume im Alltag
Du musst nicht auf ein Retreat warten, um damit anzufangen.
Hier ein paar kleine Ideen, die Du leicht ausprobieren kannst:
• Fünf Minuten ohne Zweck
Stell Dir einen Timer und mach fünf Minuten etwas, von dem Du weißt:
Es bringt nichts, außer dass es sich gut anfühlt.
Kritzeln, tanzen, ein Lied laut mitsingen, eine Mini Fantasiereise.
• Einen Alltagssatz ändern
Aus „Ich muss jetzt schnell…“ wird „Ich entscheide mich jetzt für…“.
Das klingt klein, macht innerlich aber einen Unterschied.
• Eine Rolle lockern
Wenn Du sonst alles organisierst, sag einmal:
„Heute entscheide nicht ich. Ich lasse mich überraschen.“
Nur für einen Abend. Nur zum Test.
• Den Blick auf Deine eigene Geschichte drehen
Frag Dich:
„Welche Superkraft hätte ich als Kind gehabt, wenn meine Geschichte ein Film gewesen wäre?“
Mut? Fantasie? Hartnäckigkeit? Gerechtigkeitssinn? Humor?
Diese Qualitäten sind meistens nicht verschwunden, sondern nur gut versteckt.
Das sind keine Lösungen für alles.
Aber es sind Signale an Dein System:
Du bist mehr als Deine Listen.
Wie sich ein Wochenende im Spielmodus anfühlen kann

Jetzt stell Dir vor, Du hättest ein langes Wochenende, das von Anfang an so gedacht ist.
Du kommst im Basislager am Fichtelberg an. Kein Luxuskloster, sondern ein warmes Berghotel mit Blick in die Natur.
Du musst nichts organisieren, keine Mahlzeiten planen, kein Programm zusammenstellen.
Du weißt:
Es wird Zeiten geben für
• Qi Gong am Morgen, um in Deinem Körper anzukommen
• Spaziergänge oder kleine Wanderungen im Wald
• Pausen, in denen Du einfach nur schauen, atmen, dösen oder reden kannst
• Abende mit Feuer, Klang, vielleicht ein bisschen Musik und viel Raum für Lachen
• innere Reisen, in denen Du Deiner eigenen Heldin begegnest – oder dem stillen Teil in Dir, der schon lange wartet
Es geht nicht darum, dass Du als „neuer Mensch“ nach Hause fährst.
Es geht darum, dass Du Dich wieder ein Stück echter spürst.
Mit all Deinen Rollen – und mit dem Teil in Dir, der einfach nur spielen will.
Das ist die Idee hinter unserem Retreat Back to the Roots:
Raus aus dem Optimierungswahn, rein ins Spielen.
Zurück zu Deiner eigenen Superkraft, die längst da ist, nur gerade etwas verschüttet ist.
Wer wir sind
Ich bin Judith, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Leipzig mit einem Schwerpunkt auf EMDR und ressourcenorientierter Arbeit.
In meiner Praxis begleite ich Menschen, die innerlich viel tragen – Angst, Anspannung, alte Muster – und die sich wieder näher bei sich selbst fühlen möchten, ohne sich dauernd optimieren zu müssen.
Mit ARA habe ich ein Format entwickelt, in dem ich mit Dir über innere Bilder, Bilateralität und Klang arbeite, um Dein Nervensystem zu beruhigen und Deine eigenen Ressourcen wieder besser zugänglich zu machen.
Für Back to the Roots habe ich mir meine Praxisnachbarin Sabine an die Seite geholt.
Sabine ist Heilpraktikerin für chinesische Medizin in Leipzig. In ihrer TCM Praxis arbeitet sie mit Akupunktur, Kräutern, Qi Gong, Klangschalen und Solfeggio Frequenzen und verbindet altes Wissen mit den Fragen, die Menschen heute mitbringen.
Was ich an Sabine besonders mag:
Sie kann über Energie, Qi Gong und Frequenzen sprechen, ohne dass es abhebt. Es bleibt bodenständig, verständlich und gleichzeitig tief.
Wenn sie eine Qi Gong Stunde anleitet, fühlt sich das eher an wie eine sehr freundliche Einladung „Komm wieder bei Dir an“, nicht wie eine Sportstunde.

Im Retreat ergänzen wir uns so:
• Sabine begleitet Dich über den Körper, die Atmung, Qi Gong, Klang und Natur.
• Ich begleite Dich innerlich über Fantasiereisen mit ARA Elementen und EMDR inspirierten Bausteinen.
Unser gemeinsames Ziel:
Ein Wochenende, an dem Du nicht besser werden musst, sondern wieder mehr Du sein darfst.
Vielleicht ist genau das die Form von Selbstfürsorge, die heute wirklich fehlt. Nicht noch mehr Optimierung, sondern bewusste Selbstregulation. Nicht noch ein Tool, sondern ein Raum.
Wenn Dein Nervensystem lernen darf, dass nicht alles bewertet werden muss, entsteht etwas, das keine Checkliste erzeugen kann: echte innere Ruhe.













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