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Die "BIG FIVE"

oder "Wer bin ich und wenn ja, wieviele?"



Zumindest kennen wir alle den Titel dieses Buches.

Sein Autor Richard David Precht hat eine philosophische Einführung

zu dieser Frage kredenzt!


Eine Antwort hat er keine.


Wie die Forscher, die unser Hirn entschlüsseln wollen.

Auch sie haben (noch) keine Antwort.


Zwar bescheinigen uns Wissenschaftler, dass wir unsere Persönlichkeit weiterentwickeln können, solange wir leben, weil das Gehirn dafür immer wieder neue Vernetzungen schafft.


Es hilft uns auch, uns unsere eigene Geschichte immer wieder neu zu erzählen, indem wir aus der Flut der Ereignisse, in die wir gerieten, einen sinnvollen Zusammenhang konstruieren. Und weglassen, was nicht zu passen scheint.


Doch:

Wer ist denn nun dieses "Ich", das sich in unserem Kopf immer wieder neu kreiert?


Diese Frage müssen wir dann doch selbst beantworten ...


Was bedeutet der Begriff "Persönlichkeit"?


Definitionen gibt es einige, moderne und solche aus der Antike.

Heute sprechen die Protagonisten der Persönlichkeitsforschung von KONTUNIERLICHEN VARIABLEN als Persönlichkeitsmerkmale.


Das zeigt eine dynamische Betrachtungsweise und Einordnung.

Keiner von uns ist "nur" auf ein hervorstechendes Persönlichkeitsmerkmal festzulegen!


Forscher arbeiten gern mit plausiblen Modellen, so auch in diesem Forschungsbereich.

Das im Moment bekannteste und ergiebigste ist das


"BIG Five" oder
FÜNF-FAKTOREN-MODELL.

Ihm widmen wir uns heute.

Wir finden dieses Modell hat einen interessanten Ansatz:

Es entstand auf der Grundlage unseres Wortschatzes und dessen Analyse.


Wie gingen die Wissenschaftler vor?


Sie haben unseren Wortschatz nach Worten durchsucht,

die CHARAKTERBESCHREIBEND sind.


Beispiele:

  • freundlich

  • sensibel

  • träge

  • kooperativ

  • sachlich.

Daraus konnten dann mit einem statistischen Verfahren FÜNF stabile Persönlichkeitsfaktoren ermittelt werden. Zusammenhängende Merkmale wurden auf die zugrunde liegenden Faktoren reduziert. Diese Faktoren werden auch Persönlichkeitsdimensionen oder

Persönlichkeitsmerkmale genannt.


Es sind:

  • Offenheit für Erfahrungen (engl. Openess)

  • Gewissenhaftigkeit (engl. Conscientiousness)

  • Extraversion (engl. Extraversion)

  • Verträglichkeit (engl. Agreeableness)

  • Neurotizismus (engl. Neuroticism)


(Im englischsprachigen Raum wird das Big5-Modell auch nach den Anfangsbuchstaben der fünf Persönlichkeitsdimensionen "OCEAN-Modell" genannt.)


Jede dieser Persönlichkeitsdimensionen stellt ein Kontinuum, einen stufenlosen Messwert mit zwei Polen dar.


Jeder Mensch hat auf jeder dieser Grunddimensionen eine bestimmte Ausprägung.

Mit einem komplex aufgebauten Fragebogen können diese Ausprägungen

gemessen werden.


Die Kurzform hat 60 Fragen,

die ausführlichste Variante umfasst 240 Fragen.


Daraus ergibt sich für jeden Menschen ein ganz individuelles Persönlichkeitsprofil.


Sowohl in Selbstbeschreibung als auch Fremdbeschreibung einer Person (Familienangehörige) funktioniert das Messen der Grunddimensionen.


Das Herausragende dabei ist auch,

dass dies auf Menschen Unterschiedlichster Kulturkreise

rund um den Globus zutrifft.


In den letzten Jahrzehnten wurde das Big5-Modell in der Erforschung politischer Einstellungen, der Stressforschung, im Erziehungs- und Schulbereich eingesetzt,

auch im Personalmanagement.


Eine wichtige Rolle kommt ihm auch bei der Ermittlung von Risikofaktoren

für psychische Erkrankungen zu.


Die fünf Persönlichkeitsdimensionen beinhalten:

1. OFFENHEIT FÜR ERFAHRUNGEN

Dieser Faktor bezeichnet das Interesse an neuen Erfahrungen, Erlebnissen und Eindrücken.


Personen mit hohen Werten sind wissbegierig, fantasievoll und künstlerisch interessiert.


Sie hinterfragen bestehende Wertvorstellungen und handeln eher unkonventionell.


Menschen mit niedrigen Offenheitswerten neigen eher zu konservativen Ansichten und konventionellem Verhalten.


Zu den Unterkategorien, den sogenannten Facetten zählen Fantasie, Ästhetik, Gefühle, Handlungen, Ideen und Werte.


2. GEWISSENHAFTIGKEIT

Hier ist der Grad von Zielstrebigkeit, Genauigkeit und Selbstkontrolle beschrieben.


Hohe Werte deuten auf zuverlässige, organisierte und überlegte Personen hin.


Niedrige Werte verorten spontanes, nachlässiges und unbekümmertes Handeln.


Die Facetten umfassen Kompetenz, Ordnungsliebe und Pflichtbewußtsein, Leistungsstreben, Selbstdisziplin und Besonnenheit.


3. EXTRAVERSION

Dieser Faktor beschreibt die Aktivität und das zwischenmenschliche Verhalten. Extrovertierte Personen sind aktiv, gesellig, heiter und optimistisch.


Introvertierte Personen verhalten sich bei sozialen Interaktionen eher zurückhaltend, sie sind gern allein und unabhängig.


Zur Persönlichkeitsdimension der Extraversion gehören Herzlichkeit, Geselligkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Aktivität, Erlebnishunger und Frohsinn.



4. VERTRÄGLICHKEIT

Auch hier wird vor allem das interpersonelle, zwischenmenschliche Verhalten beschrieben.


Personen mit hohen Werten sind bemüht, anderen zu helfen und begegnen ihnen mit Wohlwollen und Mitgefühl.


Niedrige Werte hingegen deuten auf streitbare und mißtrauische Personen hin. Sie verhalten sich eher wettbewerbsorientiert als kooperativ.


Vertrauen, Freimütigkeit, Altruismus, Entgegenkommen, Bescheidenheit, Gutherzigkeit sind die Facetten der Verträglichkeit.



5. NEUROTIZISMUS

Neurotizismus beschreibt die emotionale Stabilität eines Menschen.


Menschen mit hohen Werten sind eher labil, sie erleben häufiger Anspannung, Angst, Trauer und Unsicherheit.


Niedrige Werte gehen mit einer hohen emotionalen Stabilität einher. Diese Menschen erleben seltener negative Gefühle.


Die Facetten, die in diese Persönlichkeitsdimension fallen, sind: Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Depression, Befangenheit, Impulsivität und Verletzlichkeit.


Wer Lust hat, kann mit dem kostenlosen Bigfive-Test auf die Suche nach

seinen Facetten gehen!



"Wer bin ich, wenn ja wieviele?"


Ist eine eineindeutige Antwort auf diese Frage überhaupt nötig?

Was meint Ihr?


Wir haben Facetten, die sich verändern, wir sind vielfältig, wir sind bunt!


Wir können uns unsere Facetten anschauen, als würden wir in ein Kaleidoskop blicken.

Das Wissen um unsere Persönlichkeitsdimensionen befähigt uns, nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Mitmenschen zu verstehen!


Die BIG FIVE sind lebenstauglich, gemeinschaftsstärkend, wenn wir das wollen! Klasse!




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